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Coworking-Immobilien · Roll-ups

Warum ist WeWork von einer Bewertung von $47 Milliarden in die Insolvenz gestürzt?

Veröffentlicht 19. September 2026

Die kurze Antwort

  • $47 billion war die höchste Bewertung von WeWork im Jahr Januar 2019 – ein Wert, der vor allem von SoftBank aufgrund seiner eigenen Investition festgelegt wurde und nicht durch den Aktienmarkt oder konkurrierende externe Käufer.
  • $18.5 billion – so lautete die von SoftBank unter Oktober 2019 öffentlich bekannt gegebene Gesamtsumme ihrer Investitionen in WeWork.
  • $1.9 billion an Verlusten bei $1.8 billion an Umsatz – das ging aus dem Börsenprospekt von „August 2019“ für das vergangene Jahr hervor: Das Unternehmen hatte mehr Verluste als Gewinne.
  • $47.2 billion an künftigen Leasingzahlungen wurden bis Mitte des Jahres2019 zugesagt und für bis zu fünfzehn Jahre festgeschrieben, bei einer durchschnittlichen Mitgliedschaftsdauer von etwa zwei Jahren.
  • In der bei der „Chapter 11“ auf 6. November 2023 eingereichten Meldung wurden $18.6 billion an Verbindlichkeiten gegenüber $15 billion an Vermögenswerten aufgeführt; die Aktie wurde mit $44.5 million bewertet.
  • $350 million wechselte von Andreessen Horowitz zu Adam Neumann und erhielt in „August 2022“ eine Finanzierung in Höhe von für das neue Immobilien-Start-up Flow – angeblich der größte Einzelscheck, den diese Firma jemals ausgestellt hat.

Im Artikel „Januar 2019“ wurde WeWork mit $47 billion bewertet – mehr als die meisten amerikanischen Fluggesellschaften zusammen. Weniger als fünf Jahre später meldete das Unternehmen Insolvenz an und hatte Schulden in Höhe von $18.6 billion, wobei die Aktie für weniger als einen Dollar pro Stück gehandelt wurde. Das Interessante daran ist nicht, dass es gescheitert ist. Es ist vielmehr, dass der Grund für den Untergang bereits vom ersten Tag an in den Mietbedingungen erkennbar war.

Wie sollte das Geschäftsmodell von WeWork eigentlich funktionieren?#

WeWork wurde 2010 von Adam Neumann und Miguel McKelvey gegründet. Das Prinzip war einfach: langfristige Mietverträge für Bürogebäude abschließen – oft mit einer Laufzeit von zehn bis fünfzehn Jahren –, diese zu stilvollen, mit Annehmlichkeiten ausgestatteten Gemeinschaftsbüros umgestalten und die Flächen dann an Freiberufler und Unternehmen zu flexiblen, kurzfristigen Konditionen weitervermieten.

Einen langfristigen Mietvertrag abschließen, ihn kurzfristig untervermieten. Auf dem Papier ist das gewerbliche Immobilienarbitrage mit besserem Kaffee.

Das Verkaufsargument gegenüber Investoren lautete nie: „Wir sind ein Immobilienunternehmen.“ Neumann vermarktete WeWork als Technologieunternehmen, als „Community“-Unternehmen, als Unternehmen, das das Bewusstsein der Welt erheben würde – und eine Zeit lang glaubten die Investoren diesem Pitch in einem Ausmaß, das für ein Geschäft, das auf der Untervermietung von Büroflächen basierte, eigentlich unmöglich erschienen wäre.

Wer finanzierte den Aufstieg von WeWork zu einer Bewertung von $47 billion?#

Das Unternehmen, das diese Präsentation zum Erfolg führte, war SoftBank, genauer gesagt dessen Gründer Masayoshi Son.

DatumEreignisZahl
2017SoftBanks erste große Wette auf WeWorkBerichten zufolge mehrere Milliarden Dollar
Januar 2019SoftBank tätigt eine weitere Investition+$2 billion$47 billion Bewertung
Oktober 2019SoftBank gibt die bisher investierte Gesamtsumme bekannt$18.5 billion

Hier ist der Aspekt, der wichtiger war als die Zahl selbst: Diese Bewertung von $47 billion wurde nicht von einer Börse festgelegt oder von externen Käufern, die um den Einstieg konkurrierten. Es handelte sich größtenteils um SoftBanks eigene interne Bewertung seiner eigenen Investition – das Unternehmen bewertete sich selbst.

Was enthüllte WeWorks Börsenzulassungsantrag 2019?#

Dann versuchte WeWork, an die Börse zu gehen, und allein die Unterlagen bedeuteten das Ende des Unternehmens, wie die Welt es kannte.

Angaben im S-1 (veröffentlicht unter August 2019)Abbildung
Nettoverlust des Vorjahres$1.9 billion
Umsatz des Vorjahres$1.8 billion
Zahlung an Neumann für die Rechte am Wort „We“$5.9 million (nach der Kritik zurückgezahlt)
Mietverträge mit nahestehenden PersonenNeumann besaß persönlich mehrere Gebäude, die WeWork von ihm gemietet hatte
StimmrechtskontrolleSonderaktien, die Neumann überproportionale Kontrolle verschafften

Innerhalb weniger Wochen brach die geplante Unternehmensbewertung von $47 billion auf einen Bruchteil dieses Wertes ein. Am 24. September 2019 trat Neumann als CEO zurück. Der Börsengang wurde sechs Tage später offiziell zurückgezogen. Er erhielt eine Abfindung, die Berichten zufolge bis zu $1.7 billion betrug – obwohl der tatsächliche Betrag, den er erhielt, nach Abschluss aller Vergleiche und Streitigkeiten erheblich unter dieser Schlagzeilensumme lag.

Was hat WeWork tatsächlich zu Fall gebracht?#

Lässt man das Branding und die Leitbilder einmal beiseite, so liegt das Problem in einer Laufzeitinkongruenz.

Seite der BilanzVerpflichtung
Verpflichtungen gegenüber Vermietern (2019 Mitte)$47.2 billion an zukünftigen Mietzahlungen, festgeschrieben für bis zu fünfzehn Jahre
Einnahmen aus MitgliedschaftenDurchschnittliche Mitgliedschaftsdauer von etwa zwei Jahren, bei Verträgen, die weitaus schneller gekürzt oder gekündigt werden können

Auf der einen Seite feste, jahrzehntelange Verbindlichkeiten. Auf der anderen Seite kurzfristige, kündbare Einnahmen. Dieses Ungleichgewicht ist kein Problem, solange das Wachstum weiter an Fahrt gewinnt und Geld hereinströmt, um die Lücke zu schließen. Es wird jedoch zu einem existenzbedrohenden Problem, sobald einer der beiden Faktoren ins Stocken gerät – und genau das geschah als Nächstes durch einen gescheiterten Börsengang und anschließend durch eine globale Pandemie.

Wie kam es nach dem gescheiterten Börsengang zur Insolvenz von WeWork?#

Dies ist das Gegenbeispiel zu jedem Argument, wonach „die Geschichte das Kapital ist“: WeWork ging nicht an der „2019“ zugrunde, sondern verlor einfach weiter Geld, während man dem Unternehmen mehr Spielraum ließ – und jede Rettungsmaßnahme machte die Zahlenlage nur noch deutlicher.

DatumEreignisZahl
Rettungspaket von SoftBank$9.5 billion
Mai 2020SoftBank wertet seine eigene Investition ab$2.9 billion
Oktober 2021Geht durch Fusion mit einem SPAC an die Börse$9 billion81% unterhalb des Höchststands von 2019
2022Jährlicher Nettoverlust$2.3 billion
August 2023Schriftliche Warnung vor „erheblichen Zweifeln“ an der Fortführung des Unternehmensbetriebs
6. November 2023Beantragt Insolvenz nach Chapter 11$15 billion Vermögenswerte gegenüber $18.6 billion Schulden

Die Aktie, die einst einen Unternehmenswert von $47 billion andeutete, wurde mit $44.5 million bewertet.

Wer hat bei WeWork tatsächlich Geld verloren?#

Vor allem SoftBank. Nach allen Quellen, die versucht haben, die Zahlen zusammenzurechnen, beläuft sich der kumulierte Verlust von SoftBank bei WeWork auf etwa $14 billion – die genaue Zahl ist zwar umstritten, aber egal wie man es rechnet: Es handelt sich um eine der schlimmsten Einzelinvestitionen in der Geschichte des Risikokapitals. Die bisherigen Anteilseigner wurden durch die Insolvenz praktisch aus dem Markt gedrängt.

Im Rahmen von 2024 ging WeWork aus der Chapter 11 schuldenfrei, aber unter neuer Eigentümerschaft hervor: Yardi Systems, ein Anbieter von Immobilien-Software, übernahm eine Beteiligung in Höhe von etwa 60%, und die Rolle von SoftBank schrumpfte auf einen Bruchteil dessen, was sie einst war.

Und die Wendung, mit der fast niemand gerechnet hat: In „August 2022“ gewährte die Risikokapitalfirma Andreessen Horowitz Adam Neumann $350 million für ein brandneues Immobilien-Start-up namens Flow – Berichten zufolge der größte Einzelscheck, den diese Firma jemals ausgestellt hatte, und zwar an denselben Gründer, weniger als drei Jahre nachdem die Unternehmensführung seines letzten Unternehmens öffentlich zusammengebrochen war.

Ist Coworking an sich ein schlechtes Geschäft?#

Nein. Zahlreiche Coworking-Unternehmen arbeiten bis heute klein und profitabel, darunter auch die aktuelle Version von WeWork selbst, die mittlerweile in Privatbesitz ist, Berichten zufolge Gewinne erzielt und sogar in Bereiche wie Flughäfen expandiert.

Die Lehre daraus ist: Was passiert, wenn ein Immobilien-Arbitrage-Geschäft wie ein Technologieunternehmen vermarktet, finanziert und bewertet wird – wenn die Geschichte so überzeugend wird, dass niemand mehr fragen will, was mit fünfzehn Jahren fester Mietverpflichtungen geschieht, sobald sich das Wachstum auch nur geringfügig verlangsamt.$47 billionn auf dem Papier sind nicht verschwunden, weil die Menschen keine flexiblen Büroräume mehr wollten. Es ist verschwunden, weil es nie durch etwas Solides genug untermauert war, um ein schlechtes Jahr zu überstehen.

Welche Zahlen in der WeWork-Geschichte sind umstritten?#

Drei Zahlen variieren in den öffentlichen Berichten erheblich und sollten eher als Richtwerte denn als präzise Angaben betrachtet werden:

  • SoftBanks „2017“-Investition – wird mit mehreren Milliarden Dollar angegeben, wobei sich die Quellen hinsichtlich des genauen Betrags unterscheiden.
  • Adam Neumanns tatsächliche Abfindung — in Schlagzeilen mit bis zu $1.7 billion angegeben, nach Abschluss von Vergleichen und Beilegung von Streitigkeiten jedoch erheblich reduziert.
  • Der Gesamtverlust von SoftBank — häufig mit rund $14 billion angegeben, wobei die genaue Zahl je nach Quelle umstritten ist.

Fragen, die wirklich gestellt werden

Wie hoch war die höchste Bewertung von WeWork?

WeWork erreichte einen Höchstwert von $47 billion unter Januar 2019, unmittelbar nachdem SoftBank eine weitere Finanzspritze in Höhe von $2 billion bereitgestellt hatte. Diese Bewertung wurde weder durch den öffentlichen Markt noch durch konkurrierende externe Käufer festgelegt – es handelte sich vielmehr um SoftBanks eigene interne Einstufung seiner Investition.

Wie viel hat SoftBank in WeWork investiert, und wie hoch war der Verlust?

Laut Oktober 2019 gab SoftBank öffentlich bekannt, dass es insgesamt $18.5 billion in WeWork investiert habe. Der kumulierte Verlust wird gemeinhin auf rund $14 billion geschätzt, wobei die genaue Zahl je nach Quelle unterschiedlich angegeben wird.

Warum ist der Börsengang von WeWork in „2019“ gescheitert?

Aus den bei der „August 2019“ eingereichten Unterlagen ging hervor, dass bei einem Umsatz von $1.8 billion Verluste in Höhe von $1.9 billion entstanden waren; hinzu kamen Warnsignale hinsichtlich der Unternehmensführung: Gebäude, die Neumann persönlich besaß und an WeWork zurückvermietete, Sonderaktien, die ihm überproportionale Stimmrechte einräumten, sowie eine Zahlung in Höhe von $5.9 million für die Rechte am Wort „We“. Neumann trat am 24. September 2019 zurück, und der Börsengang wurde sechs Tage später zurückgezogen.

Wann hat WeWork Insolvenz angemeldet?

WeWork hat am 6. November 2023 einen Antrag auf Insolvenz nach Chapter 11 gestellt und dabei Vermögenswerte in Höhe von $15 billion gegenüber Verbindlichkeiten in Höhe von $18.6 billion ausgewiesen. Die Aktie des Unternehmens, die einst auf ein Unternehmen mit einem Marktwert von $47 billion hindeutete, wurde mit $44.5 million bewertet.

Worin bestand eigentlich der Schwachpunkt im Geschäftsmodell von WeWork?

Ein Laufzeitungleichgewicht. Bis Mitte2019 hatte sich WeWork mit „$47.2 billion“ zu künftigen Mietzahlungen verpflichtet, die für bis zu fünfzehn Jahre festgeschrieben waren, während seine Mitglieder im Durchschnitt etwa zwei Jahre lang Verträge hatten, die viel schneller gekürzt oder gekündigt werden konnten. Das funktioniert, solange das Wachstum anzieht, und bedeutet das Aus für das Unternehmen, sobald es ins Stocken gerät.

Wem gehört WeWork jetzt?

WeWork ging im Rahmen der „Chapter 11“ unter neuer Eigentümerschaft schuldenfrei aus dem Verfahren hervor (2024). Yardi Systems, ein Anbieter von Immobilien-Software, übernahm einen Anteil von rund 60%, und die Rolle von SoftBank schrumpfte auf einen Bruchteil dessen, was sie einst war.

Was ist aus Adam Neumann nach WeWork geworden?

Er ist nicht von der Bildfläche verschwunden. In „August 2022“ gewährte ihm Andreessen Horowitz $350 million für ein neues Immobilien-Start-up namens Flow – angeblich der größte Einzelscheck, den die Firma jemals ausgestellt hatte, weniger als drei Jahre nachdem die Unternehmensführung von WeWork öffentlich in die Brüche gegangen war.

Quellen

Alle Zahlen und Daten stammen aus öffentlicher Berichterstattung.

  1. ·CNBC — WeWork's $47 billion valuation was mostly fiction
  2. ·CNBC — The strangest and most alarming things in WeWork's IPO filing
  3. ·Forbes — WeWork's rise to $47 billion and fall to bankruptcy: a timeline
  4. ·TechCrunch — SoftBank has now invested $18.5 billion in WeWork
  5. ·Yahoo/Reuters — Timeline of SoftBank's bets on WeWork
  6. ·CNBC — SoftBank CEO calls WeWork investment "foolish," valuation falls to $2.9B
  7. ·CNBC — WeWork CEO returns $5.9 million paid for "We" trademark
  8. ·NPR — WeWork CEO steps down as IPO stalls
  9. ·CNBC — Adam Neumann to get up to $1.7B to leave board, report says
  10. ·Commercial Observer — Adam Neumann loses $185M consulting deal with WeWork
  11. ·Bloomberg — WeWork agrees to $9 billion SPAC deal
  12. ·The Real Deal — WeWork halves annual loss to $2.3 billion
  13. ·NBC News — WeWork warns of possible bankruptcy
  14. ·CNBC — WeWork files for bankruptcy
  15. ·Nasdaq — SoftBank finally wipes out ~$14B WeWork losses
  16. ·Bisnow — Yardi to become WeWork's majority owner in bankruptcy exit plan
  17. ·TechCrunch — a16z backs Adam Neumann's new venture, Flow, with $350M
  18. ·TechCrunch — Adam Neumann's Flow raises $100M more, valuation to $2.5B
  19. ·Fortune — WeWork Go pods and 2026 comeback status

Nichts davon ist eine Anlageberatung. Die Zahlen sind Spannen aus öffentlicher Berichterstattung und variieren je nach Markt und Betreiber.

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